Spessartblick Altenhilfe


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Betreungskonzept

Heimpflege

Betreuungs-und Sozialkonzept
des Spessartblick Altenhilfe e.V.


für Bewohnerinnen und Bewohner
mit altersspezifischen Erkrankungen


Vorwort

In der demografischen Entwicklung der Bevölkerung wird in den nächsten Jahren ein
dramatischer Anstieg des Anteiles von demenzerkrankten Menschen erwartet. Schon
heute leben in Deutschland etwa 1,2 Millionen Menschen mit einer nach dem
aktuellen Erkenntnisstand unheilbaren Demenz; dazu kommen Menschen mit behandelbaren
Krankheitsbildern. Man kann hier durchaus von einer "Volkskrankheit"
sprechen.

Beispiele für geronto-psychiatrische Erkrankungen:

Nachlassende geistige Leistungsfähigkeit

Die Abnahme des Gedächtnisses, Störungen der Orientierung, des Denkens, der Urteilsfähigkeit, der Sprache und des geplanten Handelns gelten häufig, insbesondere
wenn diese Funktionsstörungen des Gehirns im Alter auftreten, als "normale Altersentwicklung".
Dabei liegt in vielen Fällen eine behandelbare Krankheit als Ursache zugrunde, was vielen Betroffenen, und Angehörigen kaum bekannt ist. Mit modernen Diagnoseverfahren lassen sich die Ursachen von Demenzerkrankungen meistens klären und in vielen Fällen abstellen.

Depression

Verstimmungen, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Schlafstörungen, Appetitminderung,
Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, sozialer Rückzug, aber auch Selbstmordabsichten
(Suizidalität) sind nur einige Beispiele für die Krankheitszeichen bei einer
Depression im Alter. Eine Behandlung der zu Grunde liegenden körperlichen Ursachen
(z.B. Hirndurchblutungsstörungen) und auch eine medikamentöse Einwirkung
direkt auf die psychischen Funktionsstörungen des Gehirns sind bei Depressionen im
Alter möglich. Eine frühzeitige Therapie mit Stimmung verbessernden und beruhigenden
Arzneimitteln kann z.B. bei Suizidalität lebenserhaltend sein.

Pflegende Angehörige, die heute in der häuslichen Umgebung etwa 75% der Betreuungsleistung übernehmen, werden dies durch veränderte Familien-und Erwerbsstrukturen, aber auch durch die hohe physische und psychische Belastung zukünftig
vermutlich nicht mehr im gleichen Maße leisten können.
Ein entsprechendes Angebot im Bereich der Pflege wird bei uns im Rahmen
der Kurzzeit-und Verhinderungspflege kurzfristig oder im Rahmen der vollstationären
Pflege auch insgesamt eine dringend erforderliche Entlastung der pflegenden
Angehörigen leisten und einen guten Beitrag zur menschenwürdigen Versorgung
auch der an Demenz-Erkrankungen leidenden alten Menschen erbringen können.

Alltagsbegleitung

Soziale Kontakte und Anregung im Alter sind das beste Rezept gegen Demenz.
Einsamkeit hat nicht nur emotionale Auswirkungen, sondern auch körperliche.

Das Gefühl, zu Hause zu sein, ist entscheidend für das Wohlbefinden aller Menschen

- dies gilt in besonderem Maße für Menschen mit Demenzen, Depressionen und
Psychosen.
Daher begleiten wir unsere von diesen Erkrankungen betroffenen Bewohnerinnen
und Bewohner in ihrem Alltag und bieten ihnen sowohl als Nutzer unseres Kurzzeitpflegeangebotes wie auch als Bewohner mit vollstationärer Dauerpflege in einem
umfassenden Leistungsangebot das, was erforderlich ist, um das Eingewöhnen zu
erleichtern, bei uns ein zu Hause zu finden und sich "in ihrer Welt" zurechtzufinden.

Das Verhalten der Pflegenden ist geprägt durch Akzeptanz und Toleranz dafür, dass
die von Demenzerkrankungen Betroffenen "in ihrer eigenen Welt" leben und von dem
Wissen geleitet, dass deren Bedürfnisse, Motivation und Triebe sich von jenen der
pflegenden und betreuenden Menschen unterscheiden.

Zielsetzung

Wir streben eine umfassende biografiebezogene geronto-psychiatrische Fachbetreuung
und Pflege der bei uns lebenden Menschen mit entsprechenden Krankheitsbildern
an.
Wir wollen durch Ruhe und Individualität eine positive Wirkung bei den betreuten Bewohnerinnen und Bewohnern erzielen, ihre Orientierung erhöhen, Verunsicherung
reduzieren und Zuwendung sichern.
Wir gehen davon aus, dass die Unterbringung von Menschen mit entsprechenden
Diagnosen in "beschützenden" Einrichtungen in manchen Fällen ganz vermieden, in
besonders gelagerten Fällen zumindest um entsprechende Zeiträume hinausgeschoben
werden und auch die Erforderlichkeit sonstiger Freiheit entziehender oder beeinträchtigender
Maßnahmen (Psychopharmaka etc.) spürbar reduziert werden kann.
Wo all unsere Bestrebungen und Möglichkeiten versagen oder in besonderen Krisensituationen (z.B. bei Selbst- oder Fremdgefährdung), kooperieren wir, ggf. auch im
Zusammenwirken mit den Angehörigen oder sonstigen Bezugspersonen, mit beschützenden
Einrichtungen oder anderen Spezialeinrichtungen in unserer näheren Umgebung.


Wir arbeiten mit den betreuenden Ärzten und Therapeuten bestmöglich zusammen;
auch diese Kooperation unterstützt uns bei der Erreichung unserer hier definierten
Ziele.
Das Zusammenleben von dementen, teils desorientierten Menschen mit von diesen
Diagnosen nicht betroffenen, sog. rüstigen Bewohnerinnen und Bewohnern in dieser
besonderen Lebenssituation und -phase haben sehr häufig festzustellende positive Auswirkungen auf alle, sind doch die in einem gesundheitlich besseren Zustand Befindlichen
in aller Regel bereit, Ihre Nachbarn so anzunehmen, wie sie sind und immer
auch wieder gerne Hilfestellungen zu geben. Dieses "integrative Modell" dient auch
der Befriedigung des Anliegens vieler betagter Menschen, sich noch in die Gemeinschaft
einbringen zu können und "für etwas gebraucht zu werden".

Unsere Leistungen sind darauf ausgerichtet, im Rahmen der jeweils gegebenen
Möglichkeiten und Ressourcen die Bewohnerinnen und Bewohner aktiv mitwirken zu
lassen und damit das Streben der Bewohner nach weitgehender Selbständigkeit zu
unterstützen.

1. Ganzheitliche Betreuung

Einen dementen, verwirrten, oftmals auch desorientierten Menschen bedarfs- und
fachgerecht zu betreuen bedeutet, ihn in erster Linie ernst zu nehmen, mit ihm und
seinen Besonderheiten zu leben und seinen Alltag so zu gestalten, dass er das Leben
in seiner eigenen Welt annehmen und darin menschenwürdig leben kann.
Dabei wird angestrebt, Körper, Geist und Seele als Einheit zu betrachten.

Ziel der ganzheitlichen Betreuung in unserer Einrichtung ist es, dem demenzkranken
Bewohner die Teilnahme am Leben in unserer Hausgemeinschaft sowie am allgemeinen
gesellschaftlichen Leben entsprechend seinen Fähigkeiten, Fertigkeiten und
Ressourcen zu ermöglichen.
Die von Humanität geprägte Haltung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im
Umgang insbesondere auch mit geronto-psychiatrisch veränderten Bewohnerinnen
und Bewohnern trägt in hohem Maße zur Erhaltung der Lebensqualität aller bei. Wir
nehmen uns der Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrer Individualität an und
gestalten unsere Arbeit so, dass sie sich bei uns "wie zu Hause" fühlen können.

Die Maßnahmen und Ziele der stimulierenden, aktivierenden und ganzheitlichen
Pflege stehen dabei für uns im Vordergrund aller betreuenden und pflegerischen Bemühungen.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter streben eine möglichst hohe Autonomie und damit
verbunden auch Lebensqualität für jeden einzelnen von Demenz betroffenen Bewohner
an.

Schwerpunkt der ganzheitlichen Betreuung dementer Bewohner ist die Stimulierung
der Sinne. Über diesen Weg verschaffen wir uns den Zugang zum Bewohner, der
seine kognitiven Fähigkeiten verloren hat und erschließen uns so seinen jetzigen Lebensraum.

Biographische Kenntnisse über den Bewohner sind eine wesentliche Grundlage allen
Handelns für die Mitarbeiter im multiprofessionellen Team. Dabei nehmen die Bewohner
selbst, falls Sie dazu noch in der Lage sind, insbesondere aber auch Angehörige,
Freunde und Bekannte die Rolle der "biographischen Experten" ein. Die gewonnenen Erkenntnisse sind Grundlage jeder Pflege- und Betreuungsplanung.
Die Pflegeplanung umfasst den für jeden Bewohner individuellen Pflege- und Betreuungsplan.
Alle pflegerischen und therapeutischen Leistungen werden in der Pflegedokumentation
erfasst. Dies gilt ebenso für die psychosozialen und sozialpflegerischen Behandlungs- und Betreuungsleistungen.
Im Abstand max. drei Monaten und darüber hinaus bei entsprechendem Bedarf erfolgt für jeden Bewohner eine Evaluation dieser Planungen. Dabei werden, ggf. auch veränderte Bedürfnisse und Fähigkeiten, Ressourcen und Kompetenzen im Team überprüft und daraufhin die Pflege- und Betreuungsplanung individuell angepasst.

2. Mitarbeiter

Nur mit einem umfassenden Wissen und einem besonderen Verständnis für die speziellen Anforderungen im Bereich der geronto-psychiatrischen Pflege und Betreuung der bei uns lebenden, an Demenz erkrankten Menschen kann dieses Konzept wirksam umgesetzt werden.
Die besonders aus- und fortgebildeten "gerontopsychiatrischen Fachkräfte" sind neben
Ihren sonstigen Aufgaben im pflegerischen Bereich für die hausinterne Fortbildung,
Beratung, Mitwirkung bei der Konfliktlösung bei unterschiedlichen Auffassungen zu Fachbereichsthemen (Mitwirkung), die Kontaktaufnahme mit Interessenten und Angehörigen, sowie im Zusammenwirken mit der Heimleitung oder der Geschäftsführung auch für die bereichsspezifische Öffentlichkeitsarbeit zuständig.
Als besonders wichtig im Zusammenhang mit der geronto- psychiatrischen Fachpflege
wird von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch der nicht mit der unmittelbaren Pflege befassten Bereiche des Hauses (Hauswirtschaft, Haustechnik etc.) erwartet:
. das "Sich einlassen können" auf den Umgang mit dementen Menschen,
. das "ernst nehmen" des alten Menschen und das Akzeptieren der Besonderheiten
und Gewohnheiten,
. Erfahrungen im Umgang mit alten Menschen, beim Pflegepersonal entsprechende
Erfahrungen in der Altenpflege,
. die persönliche positive Haltung zur Milieu- und Beziehungsgestaltung in der
Arbeit mit dem alten Menschen,
. das Arbeiten entsprechend den bestehenden Leitbildern und Konzepten im
Rahmen der vorgegebenen Aufbau- und Ablaufstruktur,
. laufende Fort- und Weiterbildung.





3. Räumliche Struktur

Unsere Einrichtung ist ein kleine familiär gehaltenes Haus mit jeweils 31 Bewohnerinnen
und Bewohnern mit unterschiedlichem Grad der Pflegebedürftigkeit und verschiedenen Krankheitsbildern auch im geronto- psychiatrischen Bereich. Wir arbeiten nach dem Pflegekonzept von Monika Krohwinkel. Unsere rüstigen und der Pflegestufe 0 und 1 zugeordneten Bewohner sind Teil dieser Gemeinschaften.
Die Gesamtgestaltung des Hauses ist barrierefrei und greift teilweise alte Einrichtungsgewohnheiten der Bewohner/innen auf (z.B. ein alter Küchenschank) auf. Unsere Einrichtung bietet, über die behindertengerechte Ausstattung der Wohnräume (Einzelzimmer, Doppelzimmer) hinaus weitere Gemeinschaftsräume für alle an:
. einen großen, ansprechend und immer jahreszeitlich angepasst ausgestatteten
Aufenthaltsraum, welcher auch eine "beobachtende" Teilnahme am Gemeinschaftsleben ermöglicht und gleichzeitig als Speise- und Festsaal dient
. einen Wintergarten vor allem zur Einzelbeschäftigung oder zum Rückzug
. eine helle und harmonische, die Orientierung unterstützende Farbgestaltung
der einzelnen Etagen
. verschiedene Ruheecken
. einen so genannten grünen Salon mit Sofa, Sesseln und Fernseher
. Schränke mit verschiedenen Materialien zur Umsetzung der Betreuungsmaßnahmen
. eine Werkstatt für verschiedene Holz- und Bastelarbeiten
. ein modern und freundlich ausgestattetes Pflegebad
. Schwesternzimmer für Mitarbeiter.

4. Bewegungsterasse und Sinnesgarten

Um unseren an Demenz erkrankten Bewohnerinnen und Bewohnern die Möglichkeit
zu geben, den häufig festzustellenden Bewegungsdrang "auszuleben" und zudem
auf die vielfältigste Weise die Sinne und das Erinnerungsvermögen anzusprechen,
wurde eine große Terasse mit angrenzendem Garten angelegt. Weitere behindertengerecht angelegte Wege werden in Zukunft den ganzen Garten mit seinen großen Rasenflächen erschließen (2010).
Es gibt ein vielfältiges Angebot an duftenden, großblütigen und bekannte
Pflanzen, verschiedene Bäume und Ziergehölze, einen Pavillon und auch sonst viele
Sitzgelegenheiten, ein Hochbeet , Licht- Wind- und Klangspiele und Skulpturen etc.;
Auch wildlebende Tiere wie Enten, Vögel der unterschiedlichsten Gattungen, Rehe, Waschbären, Schildkröten und andere Reptilien, Igel und viele mehr sind bei uns "zu Gast"; sie bringen nicht nur den dementen Menschen Erinnerungen an die Kindheit und vermitteln auf diese Weise in vielen Fällen ein Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit.






5. Betreuung

Bei der Betreuung wird in erster Linie die integrative Validation mit milieutherapeutischem
Ansatz angewendet. Dies bedeutet insbesondere ein liebevolles, wertschätzendes, unterstützendes und bestätigendes Handeln über Sprache, Körpersprache und Betonung.
Es handelt sich um einen Prozess des Begleitens, nicht des Korrigierens.
Der lebensgeschichtliche Bezug und die emotionalen und sozialen Fähigkeiten der
Bewohner/-innen gelten als Ressource im Umgang mit ihnen. Bewohnereigene kleinere
Haustiere sind können mitgebracht werden und damit einen Beitrag zur positiven
Gestaltung des Lebensalltages leisten.

6. Tagesablauf

Demenzkranke benötigen starke emotionale und zeitliche Zuwendung. Klare Tagesstrukturen
und sich an den Alltag anlehnende therapeutische Angebote beeinflussen Verläufe der Krankheit oftmals günstig.
Das Angebot bezüglich des Tagesablaufes wird neben einer bestimmten Abfolge der
grund- und behandlungspflegerischen Maßnahmen durch die Mahlzeiten, aber auch
durch Rituale (z.B. Singen) und weitere Maßnahmen in den Gruppen strukturiert. Die
Bewohner/innen bestimmen selbst, wann sie aufstehen oder ins Bett gehen wollen.
In vielfältiger Weise werden Gestaltungsmodelle zum Tagesablauf erarbeitet, in welchen
auf die Ressourcen und der jeweiligen Person Rücksicht genommen wird.
Förderliche Aktivitäten werden erarbeitet, die häufig zu mehr Ruhe und Zufriedenheit bei den Bewohnern führen. Es gelingt vielfach, die eigenen Fähigkeiten der Bewohnerinnen
und Bewohner bei Vorbeugung und Bekämpfung von depressiven Symptomen
zu mobilisieren.
Inhalte des Angebotes sind beispielsweise:
. Erinnerungsarbeit mit Fotos, Poesiealben etc.
. Orientierung in der direkten Umgebung
. Erstellen eines Ernährungsplans
. 10-Min-Aktivierung (lt. Standard)
. leichte hauswirtschaftliche Tätigkeiten
. leichte Gartenarbeit (z.B. am Hochbeet)
. ressourcenorientiertes Gedächtnistraining
. Mitwirkung oder Anwesenheit bei Bastelgruppen
. Anwesenheit bei Veranstaltungen
. Teilnahme an Ausflügen
. Teilnahme an Gottesdiensten und anderen religiösen Aktivitäten
. basale Stimulation
. Musiktherapie wie z.B. Begleitung mit Musik (aktiv: Musizieren und Chorsingen,
passiv: bevorzugte Musik hören)
. Erarbeitung eines angepassten Tagesablaufs etc..
. Spaziergänge im Bewegungs- und Sinnesgarten wie auch im Ort
. Bewegungstherapie (z.B. Gymnastikgruppe)

. Heimkino
. Gedächtnistraining
. Validation
. Krisenintervention, insbesondere in akuten Belastungssituation
. Realitätsorientierung (ROT) = 24-Stunden-ROT
. Milieutherapie
. Umgebungssicherung
. … und vieles mehr!
Kombination verschiedener Betreuungsmodelle
Emotionale Zuwendung ist das Wichtigste im Umgang mit Demenzkranken.
Eine auch in besonderen Situationen bestmögliche individuelle Betreuung dementer,
alter Menschen in den unterschiedlichsten Phasen der Demenzerkrankung ist dann
gewährleistet, wenn nicht ausschließlich nach einem Betreuungsmodell gearbeitet
wird, sondern sinnvoll erscheinende "Techniken" auch anderer Modelle (insbesondere
24 Stunden ROT im Frühstadium der Erkrankung, Milieutherapie und die Biografiearbeit
als grundlegendem Element aller Betreuungsmodelle) in die Betreuung einbezogen werden. Aus diesem Grund werden in entsprechenden Situationen auch auf anderen Modellen beruhende Maßnahmen ergänzend angewandt. Diese schließen sich gegenseitig nicht zwingend aus, sondern können, in Kombination angewandt, durchaus einen wertvollen Beitrag zur Erreichung unserer Ziele sein. Die wesentlichen Elemente dieser Modelle sind nachstehend aufgeführt.
Auch gegenüber neuen Erkenntnissen und Modellen zur Betreuung und Pflege dementer
alter Menschen sind wir offen und gehen hier gerne neue Wege.

Validation

Validation ist in der Altenarbeit eine anerkannte Vorgehensweise; sie bietet eine
Möglichkeit, Würde, Selbstwertgefühl und Identität zu bewahren.
In der Validation sehen wir den Hauptansatz für die Betreuung und Pflege der bei
uns lebenden Menschen mit Demenz-Erkrankungen.
Das Konzept der Validation wurde von Naomi Feil entwickelt. Sie arbeitete als Sozialarbeiterin in den USA und gibt als Grund für die Entwicklung ihres Konzepts ihre
Erfahrungen mit dem ROT an: "ich gab das Ziel der Orientierung an der Realität auf,
als ich bemerkte, dass die Gruppenmitglieder sich immer dann zurückzogen oder
zunehmend feindselig wurden, wenn ich sie mit der unerträglichen Realität der
Gegenwart zu konfrontieren versuchte."
Das Betreuungskonzept der Validation besteht im Besonderen aus Kommunikationstechniken,
die in der Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen angewendet werden sollen.

Der Schlüssel zu einer adäquaten Kommunikation mit ihnen ist dabei die Validation (von lat. Validus = kräftig; engl.: valid = gültig), also das "Für-Gültig- Erklären" bzw. das "Wertschätzen" der Erfahrung und der subjektiven Wirklichkeit eines anderen Menschen. Die Kommunikation bezieht sich durch das aktive Anerkennen der Emotionen des dementen Menschen stark auf die Gefühlsebene. Validation heißt zusammengefasst, dem Betroffenen in dessen innere Welt folgen, sie zu benennen und zu bestätigen.
Voraussetzung für den damit verbundenen Versuch, den gesamten Bezugsrahmen
einer Person zu verstehen ist ein hohes Maß an Empathie. Es handelt sich dabei
eher um Umgangsprinzipien mit dem Erkrankten als um ein Therapieverfahren. Die
persönliche Sichtweise des Demenzerkrankten wird dabei in den Mittelpunkt der
Therapie gestellt, wobei wichtige Verhaltensregeln für den zu Betreuenden einzuhalten
sind. So soll z.B. die subjektive Realität des Betroffenen nicht korrigiert oder in
Frage gestellt werden.
Die Methodik der Validation beruht auf folgenden Vorgaben:
. Die Lebensumstände des desorientierten Menschen werden akzeptiert.
. Die Pflegenden werden im Umgang mit dem alten, desorientierten Menschen,
der seinen Gefühlen freien Lauf lässt, unterstützt.
. Die Menschen werden so akzeptiert, wie sie sind.
. Die Ursache von Gefühlen wird ergründet und der alte Mensch wird darin unterstützt,
seine Würde zu erhalten.
Ziele der Validation:
. Bewahren oder Wiederherstellen des Selbstwertgefühls
. Reduktion von Stress
. Rechtfertigung des gelebten Lebens
. Lösen der unausgetragenen Konflikte aus der Vergangenheit
. Reduktion chemischer und physischer Zwangsmittel
. Verbesserung der verbalen und nonverbalen Kommunikation
. Verhindern eines Rückzugs in das Vegetieren
. Verbesserung des Gehvermögens und des körperlichen Wohlbefindens

Realitätsorientierungstraining (ROT) = 24 Stunden
ROT

Das Ziel des "24- Stunden- ROT" ist es, "den Alltag der erkrankten alten Menschen "
rund um die Uhr" so zu gestalten, dass ihre Orientierungsfähigkeit unterstützt wird."
Die Orientierung unterstützenden Maßnahmen betreffen hauptsächlich die Kommuni-
kation und die Umgebungsgestaltung. Jede Interaktion zwischen Pflegekraft und Demenzerkrankten stellt nach diesem Konzept eine Möglichkeit dar, Informationen zur
Realität zu geben. Diese beziehen sich z. B. auf die aktuelle Zeit, den Ort oder Personen.
Alle Handlungen werden von der Pflegekraft kommentiert und Fragen des Betreuten
wahrheitsgemäß beantwortet. Formuliert der demente Mensch falsche Aussagen
oder zeigt desorientiertes Verhalten, wird dies von der Pflegeperson korrigiert, sofern
es sich nicht um sehr sensible Themenbereiche handelt.
In der Anwendung des 24-Stunden- ROT wird die Vermittlung von Erfolgserlebnissen
betont, indem z.B. leicht zu beantwortende Fragen gestellt werden und orientiertes
Verhalten und der Realität entsprechende Äußerungen der Demenzerkrankten vom
Pflegepersonal positiv verstärkt werden. Insgesamt soll durch dieses Vorgehen ein
Realitätsbezug und ein Bewusstsein für das reale Geschehen hergestellt und die
Kommunikationsfähigkeit des dementen Menschen gefördert werden.


Neben der verbalen Kommunikation soll auch die Umgebung die räumliche und zeitliche
Orientierung unterstützen. Die Räumlichkeiten haben einen wohnlichen Charakter
sind überschaubar und anregend gestaltet.
Empfohlen werden auch Orientierungshilfen, wie das Anbringen großer Uhren und
Kalender, Wegweiser, Namenschilder, die farbliche Gestaltung verschiedener Funktionsbereiche im Seniorenheim, die jahreszeit- und festorientierte Dekoration und die
freie Verfügbarkeit anregender Materialien, wie z.B. Fotos, Spiele, Zeitschriften und
Radio. Zur Umsetzung des 24-Stunden- ROT gehört des Weiteren die Strukturierung
des Heimalltags, d.h. ein regelmäßige wiederkehrender Tagesablauf.

Milieutherapie

Unter Milieutherapie wird ein therapeutisches Handeln zur Anpassung der materiellen
und sozialen Umwelt an die krankheitsbedingten Veränderungen der Wahrnehmung,
des Empfindens, des Erlebens und der Kompetenzen (Verluste und der Reserven)
der Demenzkranken verstanden.
Die Milieutherapie stellt ein umfassendes Betreuungskonzept dar, in dessen Zusammenhang
sich der Begriff "Milieu" sowohl auf die räumliche Umgebung als auch auf
Umgangsformen und Aktivitäten bezieht. Es soll eine Verbesserung des gesamten
therapeutischen Milieus, besonders in der Langzeiteinrichtungen (Alten-und Pflegeheime)
erzielt werden, wobei psychische Bedürfnisse der Demenzkranken im Vordergrund
stehen. Körperliche Pflege spielt in diesem Konzept eine nachgeordnete Rolle.
Die therapeutische Wirkung resultiert nicht nur aus Einzelkomponenten der baulichen
Umgebung als Milieu, sondern vom Zusammenwirken aller Umweltkomponenten.

Biographiearbeit

Um Türen zum Verständnis jedes Betreuungs- und Pflegebedürftigen zu öffnen, ist
die Biografiearbeit ein fester Bestandteil unseres Wirkens für die bei uns lebenden
Bewohnerinnen und Bewohner. Hierbei kommt dem guten Zusammenwirken mit Verwandten
und Bekannten eine besondere Bedeutung zu. Das Biographiewissen ist ein essentieller Bestandteil in allen vorgestellten Betreuungskonzepten für demente Menschen. Biographiewissen wird durch Biographiearbeit erarbeitet und laufend ergänzt
und kann so in die Pflege und Betreuung dementer Menschen integriert werden. Sowohl die Betreuten als auch die Betreuer können vom Einsatz der Biographiearbeit profitieren.

Für demente Menschen stellt die Erinnerung an ihre Vergangenheit eine wichtige
Ressource dar, weil das Kurzzeitgedächtnis eingeschränkt ist, das Langzeitgedächtnis,
in dem sehr gut memorierte und meist lange zurück liegende Informationen
gespeichert sind, jedoch häufig noch lange während des Krankheitsfortschritts relativ
intakt bleibt. Typisch für die Demenzerkrankung ist zudem eine eingeschränkte
Kommunikationsfähigkeit und das Leben "in einer traumähnlichen Welt der Erinnerungen".
Dies bedingt, dass demente Menschen mit Hilfe von Erlebnissen der Vergangenheit
in der Jetztzeit kommunizieren.
Es scheint, als böten Erinnerungen den Menschen oft metaphorische Ressourcen, über ihre aktuelle Lage in einer für sie handhabbaren Weise zu sprechen. Verfügen Betreuungspersonen über kein Biographiewissen, können sie Verhaltensweisen und Äußerungen, die mit der Lebensgeschichte einer dementen Person in Zusammenhang stehen, nicht richtig deuten, und die Kommunikationsversuche des Demenzerkrankten werden fehlinterpretiert. Die Folge davon ist, dass der Betreute sich unverstanden fühlt und seine Bedürfnisse oft unbefriedigt bleiben.
Er stellt seine Kommunikationsversuche schließlich ein und die Erinnerung an sein vergangenes Leben, aus der er sein Selbstwissen und seine Identität bezieht, verblasst zunehmend. Biographiearbeit zielt darauf ab, das Identitätsgefühl des dementen Menschen zu erhalten. Durch geteilte Erinnerungen kann ein Gemeinschaftsgefühl und eine Atmosphäre des Vertrauens entstehen. Außerdem werden die Kommunikation und die soziale Kontaktaufnahme gefördert und die Rückbesinnung auf Erfolge und Leistungen im vergangenen Leben kann die Selbstachtung stärken.

In der stationären Betreuung spielt die Biographiearbeit eine besonders wichtige Rolle,
da durch den Einzug in eine Institution die Zahl wichtiger Repräsentanzen des
vergangenen Lebens, die zum Erhalt der Identität beitragen, stark reduziert wird. Es
besteht die Gefahr, dass der demente Heimbewohner mit seinen Erinnerungen alleine
bleibt und sein Identitätsgefühl abnimmt.

Biographiearbeit hat zudem eine positive Auswirkung auf die Betreuungspersonen.
Mit Hilfe von Biographiewissen finden betreuende Personen leichter Zugang zu einer
dementen Person, deren verbales Ausdrucksvermögen eingeschränkt ist.
Da auf diese Weise ein Kennen- und Schätzen lernen erleichtert wird, kann sich
schneller eine persönliche Beziehung zwischen Betreuer und Betreuten entwickeln.
Auch die Kommunikation mit dementen Menschen, die im Pflegealltag oft nur aus
Standardfragen und Standardantworten besteht, profitiert von der Biographiearbeit.
Gesprächsthemen können sich auf die individuelle Vergangenheit einer Person beziehen und den betreuenden Personen fällt es leichter, Verhaltensweisen und Äußerungen dieser Person zu interpretieren, auf Bedürfnisse einzugehen und Beschäftigungsangebote zu machen, die den Interessen des Demenzerkrankten entsprechen.
Insgesamt betrachtet reduziert Biographiewissen in der Betreuung dementer Menschen die Frustration der Betreuungspersonen und steigert ihre Arbeitszufriedenheit.


Qualitätssicherung

Zur Sicherung einer dauerhaften, nachvollziehbaren und transparenten Betreuungsleistung
für die an Demenz erkrankten Bewohnerinnen und Bewohner sind Maßnahmen
zur Qualitätssicherung konzeptionell verankert.

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